Wüstenselbitz- Der Reussenberg hat gebebt, die Geister der letzten Krieger im Kriegswald haben sich endgültig zurückgezogen, so kräftig wurde das 100jährige Jubiläum des FC Wüstenselbitz gefeiert und mittendrinn das älteste Mitglied, der 91jährige Heinz (Heiner) Weiß, der seit 73 Jahren dem Verein angehört und den Verein nach dem zweiten Weltkrieg mit wiedergegründet hat. Die Feier hat gezeigt, dass man auch mit Hundert noch über jugendlichen Schwung verfügen kann. Kurze, humorvolle Grußworte, unterbrochen von Sketsch-Einlagen der Fußballer und eine lockere, mitreißende Moderation durch Nina Titus von Radio Mainwelle, der Ehefrau des FCW-Langstrecken-Mountainbikers Patrick Titus.
Über ein brechend volles Festzelt freute sich Vorstand Robert Popp in seiner kurzen Festrede. „Auf unserem wunderschönen Gelände auf 700 Meter Höhe, wo man zumindest von April bis Oktober Fußball spielen kann, in der übrigen Zeit wird Ski gefahren und ganzjährig Mountainbike, wollen wir uns für die Öffentlichkeit öffnen“. Man habe sich vorgenommen, einen sehr emotionalen Festabend mit vielen persönlichen Gesprächen über alle Generationen hinweg zu feiern. Die Chronik des Vereins war in der Festschrift jedem Mitglied zugegangen, so habe man sich lange Ausführungen ersparen können.
Hundert Jahre seien ein sehr markanter Meilenstein für einen Verein, der ein halbes Jahr nach dem ersten Weltkrieg gegründet und ein halbes Jahr nach dem zweiten Weltkrieg wiedergegründet wurde. Man konnte in der Zeit viele Erfolge feiern, habe aber auch Krisen überwinden müssen. „So gehört auch Demut zu diesem, unserem Verein.“ Trotzdem könne man stolz darüber sein, welche Leistungen durch FCW-Sportler vollbracht wurden. Zehn Jahre Bezirksliga seien für einen kleinen Dorfverein schon eine überragende Leistung, und die Sportler der Ski- und der MTB-Abteilung hätten mit Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene herausragende Öffentlichkeitsarbeit für den FCW geleistet. „Als Trainer des 13jährigen Martin Gluth habe ich ihn nach seinen sportlichen Ambitionen gefragt und er hat mit geantwortet, dass er in Deutschland zu den fünf besten Mountainbikern gehören möchte“, so Popp, „heute gehört er zu den Top-Vier!“ Aber auch auf dem Sportgelände sei vieles geleistet worden. Der „Outdoorparc Frankenwald“ hätte den FCW weit nach vorne gebracht. Mit dem Komplettangebot an innovativen Ideen sei der Verein vor zwei Jahren bei 141 Bewerbern beim BLSV-Wettbewerb „Quantensprung“ als einer von fünf Siegern hervorgegangen. „Aber alles sind keine Selbstläufer, Erfolge muss man sich immer wieder von Neuem erwerben“, so das Vorstandsmitglied, „und dazu gehört eine gute Vereinsarbeit auf allen Ebenen.“
„Jeder, der hier auf dieses herrliche Sportgelände kommt, der sich die großartige Festschrift anschaut, der sieht, was in diesem Verein geleistet wird“, so Schirmherr Landrat Dr. Oliver Bär. Nicht umsonst würde der Verein mit so großen Veranstaltungen wie die Bayerischen MTB-Meisterschaften, die in zwei Wochen schon zum dritten Mal in Wüstenselbitz stattfinden, betraut. „Man weiß, dass hier alles perfekt organisiert ist, weil es hier Leute gibt, die voll dahinterstehen.“ Mit seiner zukunftsweisenden Philosophie habe sich aus einem Fußballverein ein Verein mit mehreren Sparten entwickelt. Vorbildlich nannte der Landrat die Nachwuchsarbeit mit über hundert Jugendlichen in allen Abteilungen. So können in diesem Jahr gleich drei große Jubiläen in Wüstenselbitz gefeiert werden, 150 Jahre Feuerwehr, 100 Jahre FCW und 170 Jahre Hirschenschießen. Eine solche Lebensqualität sei nicht selbstverständlich, „Wüstenselbitz ist ein besonderer Ort und wunderschöner Mosaikstein im Landkreis Hof.“
Bürgermeister und Schirmherr Stefan Pöhlmann erinnerte an zwei für Deutschland wichtige Ereignisse am 22. Juli 1919, die sich beide in Orten mit dem Anfangsbuchstaben „W“ zugetragen haben. In Weimar hätte die deutsche Regierung den Versailler Vertrag ratifiziert und in Wüstenselbitz sei der Fußball-Club gegründet worden. Während der Versailler Vertrag nicht lange gehalten hat, hätte sich seitdem in Wüstenselbitz ein „vielseitiger, großartiger Verein mit großem gesellschaftlichen Engagement“ entwickelt. Pöhlmann dankte für die Arbeit, die auch ihn stolz macht. Ein Highlight in seiner Zeit als Bürgermeister sei der „Outdoorparc“ gewesen. „Da kann eine Stadtverwaltung noch so gut sein, es sind die Leute im Verein, die dies mit ehrenamtlicher Arbeit vollbringen.“ Besonders lobte Pöhlmann die Jugendarbeit und den Zusammenhalt im Verein.
Für den Landtagsabgeordneten Alexander König ist es einmalig, „was hier im Verein geboten wird“. Der FCW sei ein besonderer Verein mit einem besonderen Gelände, mit besonderen Abteilungen und besonderen Erfolgen, die einmalig in der Region seien. „Der Erfolg kommt von den Menschen, die auf besondere Art mit ihren Sportkameraden umgehen.“
Eine ganz besonders launige Rede hielt sein Landtagskollege Klaus Adelt. Auf der fantastischen Anlage am Reussenberg würde Hochleistungssport mitten in der Natur betrieben und er sei „ein Verein mitten in der Heimat“. Als Verein mit so vielen Aktiven, würde der FCW einer großartigen Zukunft entgegen gehen.
Für Pfarrer Hans-Jürgen Müller passt die Tageslosung zu einem 100jährigen Verein. „Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde“. Sport sei wichtig für die Menschen, man lerne mit Misserfolg umzugehen. „Niederlagen bringen oft weiter als Siege.“
Dr. Tobias Zuber, Vorsitzender des Helmbrechtser Sportverbands und Fußballtrainer des FCW gestand, dass er nirgends anders wohnen möchte als in der Stadt mit der hohen Lebensqualität. Und dazu würden auch die Vereine beitragen. „In welcher Stadt hat man so ein großes Sportangebot wie in Helmbrechts?“ Und dazu würde der FCW einen großen Beitrag leisten. „Es ist eine Pracht, wenn ich zum Training komme und hier über hundert Kinder mit hervorragenden Trainern ihre verschiedenen Sportarten ausüben.“ Für ihn als Trainer der Fußballer muss der Kriegswald wieder ein Ort werden, vor dem sich die Gegner fürchten.
Die Kindergartenleiterin „Altes Schulhaus“, Bianca Göbel, dankte für den wichtigen Sportbeitrag beim Projekt „Skitty“, an dem der Kindergarten schon seit sechs Jahren teilnimmt. Alle Kinder freuen sich auf den „Gustav-Sport“, den Gustav Rauh zusammen mit Rainer Schramm abhält, „und bei dem die Kinder sich unterzuordnen lernen und ein Wir-Gefühl entwickeln“. Sie hofft, dass viele Kinder auch nach ihrer Kindergartenzeit beim FCW ihren Sport betreiben.
Für den stellvertretenden Landesvorsitzenden des BLSV, Lothar Seyferth, gibt es in Bayern nicht viele Sportvereine, die ein Hundertjähriges feiern können. Trotz vieler Widerstände hätte sich der FCW sportlich und gesellschaftlich behauptet und sei als einer der fünf besten Vereine in Bayern ausgezeichnet worden. Er hoffe, dass „Frauen und Männer mit Mut und Zuversicht sportlich fair und entschlossen das Werk fortführen“. Gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden Gerhard Rödel hat Seyferth den Verein und verdiente FCW-Mitglieder ausgezeichnet.
Der Kreisvorsitzende des Fußballkreises Hof/Marktredwitz, Siegfried Tabbert, hofft, dass der FCW weiterhin so attraktiv bleibt. Auch er zeichnete den Verein und verdiente Mitglieder im Namen des BFV aus.
Weitere Grußworte sprachen Willi Danzinger von der IfL Helmbrechts, Andreas Kehler von der Feuerwehr Wüstenselbitz und der Schützenvorstand Hans-Peter Rauh.
Im Anschluss ging mit Pinacolada die Post so richtig ab, sie feuerte bis zur ersten Pause ein zweistündiges musikalisches Feuerwerk ab.
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  • Ehrungen beim FCW
    Verdienstnadeln des BLSV:
    Fanziska Kehler (Bronze), Markus Schübel, Peter Rotter, Jürgen Fischer, Steffen Goller, Alexander Kronthaler, Thilo Seuß, Werner Ott, Jochen Grüner (alle Bronze mit Kranz), Heike Wirth, Gustav Rauh, Helga Arlt (alle Silber), Helmut Engel, Robert Popp (beide Silber mit Gold), Reiner Schramm und Rüdiger Peetz (beide Gold)
  • Ehrungen BFV:
    Reiner Schramm (Verbands-Ehrenmedaille Silber), Rüdiger Peetz (Verbands-Ehrenzeichen Gold), Heiko Schöpf und Gerhard Schumann ( beide Verbands-Ehrenzeichen Silber)
  • Zu Ehrenmitgliedern ernannt:
    Dittmar Arlt, Rudolf Dörnhöfer, Herbert Goller, Wilhelm Hertrich, Reinhard Lenz, Rainer Schramm, Manfred Strobel, Roland Weißmann, Adolf Winkler, Hermann Wolfrum, Thomas Fraas, Rüdiger Peetz, Robert Popp, Werner Ott, Dr. Robert Schmidt, Brigitte Weißmann, Bertram Wolfrum, Ralf Eckert.

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